Eine Geschichte von Mann und Frau …

Meine Damen,

die Geschichte von Mann und Frau ist ebenfalls eine Geschichte voller Mißverständnisse. Sie glauben das nicht? Lesen Sie selbst! Es war einer dieser Tage meine Damen, die ein Mann in seinem Leben nicht so schnell vergißt. Nun ja, eigentlich war es die Nacht davor, die eine Frau nie vergessen wird.

Es war ein kalte klare Nacht im November. Eine dieser Nächte, in denen man sich in Gedanken auf einem wärmenden Lammfell vor dem offenen Kamin kuschelt und räkelt. Da weder ein Lammfell noch ein offener Kamin zu greifen war, spielt sich die folgende Geschichte in einem ganz normalen Bett ab.

An den Verlauf des Abends zuvor kann ich mich nicht mehr genau erinnern, dafür umso detaillierter an die Nacht. Nachdem ich den ganzen Abend frauengeflüstert hatte, verbrachten wir eine gemeinsame Nacht, hemmungslos, leidenschaftlich und wild. Während wir engumschlungen auf- und nebeneinander lagen, uns küssten und hin- und her wälzten, gingen mir Gedanken durch den Kopf:

Ich habe meine Socken noch an!

Ich versuchte mir also meine Socken mit den eigenen Füssen vom Leib zu reissen, da bemerkte ich, ich hatte meine Füsse nur im Bettüberzug eingewickelt bzw. verwickelt. Ich bekam meine Füsse nicht aus dem Bettüberzug heraus, ich ruckelte und zuppelte, meine Partnerin musste denken, wooooow (das sah ich in ihren Augen), heute ist er wohl ganz und gar bei der Sache. Wenn Sie auch nur im Ansatz geahnt hätte, bei welcher Sache ich war, hätte die Nacht, die ja nun erst ihren weiteren Verlauf nahm, wohl nicht darin geendet, dass ich früh morgens, unbekleidet, eng aneinanderliegend leicht schwitzend in Löffelchenstellung aufgewacht wäre. Ich fühlte mich gut, aber ich war noch schlaftrunken und konnte die Augen nicht öffnen, da verspürte ich einen inneren Drang. Ich musste auf´s Klo …

Ich stieg seitlich aus dem Bett, ich kannte ja den Weg in das Badezimmer und konnte den Weg mit geschlossenen Augen und nach vorn ausgestreckten Armen finden. Ich tastete mit meinen Füssen nach meinen Hausschuhen, ah da ist ja der erste und ich stand auf, um den zweiten Hausschuh zu ertasten. Da vernahm ich ein Geräusch, das mir nicht fremd war, so als ob man in einen vollgesogenen Schwamm und Waschlappen tritt … ein gschté gschté. Ich dachte, Moment mal, ich bin ja noch im Schlafzimmer, ich kombinierte also:

Ein Hausschuh an, ich befinde mich im Schlafzimmer, die Hunde ebenfalls im Schlafzimmer, die Socken wie üblich neben dem Bett, ergo hat einer der Hunde auf meine Socken gepinkelt. Um meiner Intuition zu folgen, wippte ich ein wenig mit dem Hausschuh (ich verlagerte mein Gewicht von der einen zur anderen Seite) auf der Stelle, um mich zu vergewissern, es handelt sich um einen meiner Socken. Nur den Geruch konnte ich nicht zuordnen. Ich kenne den Geruch meiner Füße und meiner Socken. So wie das aber roch, müssten meine Füße bereits beerdigt sein. Des Rätsels Lösung, nachdem ich den Lichtschalter erreichen und auf einmal auch wieder sehen konnte, ich stand bzw. mein Hausschuh stand mitten in einer aufgetürmten braunen Masse, die einer der Hunde in der Nacht neben mein Bett gesetzt hat. Durch mein einbeiniges Hüpfen, meine unkoordinierten Bewegungen aufgrund verschiedener Umstände, sah mich meine Partnerin, die gerade so die Augen öffnen konnte, wie folgt:

Nackt mit nur einem Hausschuh bekleidet, die Hunde zwischenzeitlich im Bett, auf einem Bein stehend an der Wand den Lichtschalter festhaltend angelehnt.

Nun – da Frauen bei Männer nichts wundert, schaute sie nicht sonderlich verwundert. Als ich ihr erklärte was vorgefallen ist, dass ich mehrfach in den Haufen getreten bin, um zu ergründen was ist das eigentlich, in was ich da getreten bin (ich konnte ja noch nichts sehen), mussten wir beide lachen. Ich konnte nun, da alle und alles wach war, ins Badezimmer. Den an der Sohle übelriechenden Hausschuh in der Hand ging ich zum Badezimmer und hatte gleichzeitig mehrere geniale Einfälle:

  1. Ich geh erstmal auf´s Klo …
  2. Anschließend spüle ich den Hausschuh mit der Duschbrause über dem Klo mit heißem Wasser ab und lege ihn anschließend auf den Heizkörper.
  3. Zwischenzeitlich kam meine Partnerin mit einer vollen Kehrschaufel aus dem Schlafzimmer in das Badezimmer, um den Scheißhaufen, man muss die Dinge auch mal beim Namen nennen, ins Klo zu entsorgen. Dabei muss etwas der brauen Substanz auf meinen Fuß getropft sein. Ich wollte den Fuß sofort in der Brause abspülen, da hatte ich doch glatt vergessen, dass ich kurz zuvor den Hausschuh mit heißem Wasser abgespült hatte. Ich verbrühte mir den Fuß, der war sofort feuerrot und brannte wie das Feuer der Liebe in der Nacht zuvor. An diesem Vormittag war ich mehr oder weniger im Badezimmer ständig present, um mir meinen schwer angeschlagenen Fuß mit kaltem Wasser zu kühlen. Ich darf sagen, niemals zuvor in meinem Leben hatte ich einen Fuß, der sauberer war als an diesem Tag im November.

Bis hierher gab es ja vielleicht noch keine Mißverständnisse, aber nach der Nacht und dem Morgen danach folgte der Tag. Hier lernte ich, wie Frauen ihre Männer nur durch einen Blick erziehen (wollen). Aufgrund meiner schweren Blessur konnte ich an dem Tag nicht zur Arbeit. Ich passte ja förmlich in keinen Schuh, ich musste mir sogar, um nicht auf dem kalten Boden barfuß zu laufen, einen meiner geliebten Hausschuhe oben aufschneiden, damit der nicht an der Stelle rieb, wo ich mir den Fuß verbrüht hatte.

Ich verbrachte in Folge den Tag zu Hause vor dem Computer, in meinem Bürostuhl wippend, um den Schmerz irgendwie zu kontrollieren. Wie auch Sie sicherlich wissen meine Damen, ist der Mann bei Krankheit oder anderen körperlichen Schmerzen im Gegensatz zuLass mich, ich habe Kopfschmerzenwirklich schwer krank. Die männliche Anatomie lässt Männer einen Schmerz in einem weitaus größeren Maß verspüren, als dies bei ihnen der Fall ist. Männer scheinen auch schmerzempfindlicher zu sein, man könnte mutmaßen, da der Mann in diesem Punkt gefühlsempfindsamer ist, dass er im Gegenzug andere Gefühle nicht so gut nach außen zeigen kann. Also scheint auch dies anatomisch begündet und zum erstem Mal ordentlich exploriert worden zu sein.

Zurück zu dem Tagesablauf und hin zu dem Vorfall, der mir zeigte, Frauen ticken anders …

Meine Partnerin rief irgendwann am Nachmittag; Ich geh mal mit den Hunden Gassi. Ja, dachte ich mir, dann kann ich wenigsten meinem Schmerz freien Lauf lassen und ihn über die gesamte Wohnung ausbreiten. Ich war wieder einmal im Badezimmer, um mir meinen noch immer schwer angeschlagenen Fuß zu kühlen und wieder fast schon auf dem Weg zurück zu meinem Bürostuhl, da ging die Wohnungstür auf, an mir vorbei stürmte meine Partnerin straight (direkt) mit wehenden Haaren ins Badezimmer und erzählte mir irgendwas. Wie Sie sicherlich verstehen können meine Damen, Männer besitzen die Fähigkeit, sich auf eine Sache so zu konzentrieren, dass alles andere nicht wahrgenommen wird. Ich bekam also nichts von dem mit was meine Liebste mir erzählte.

Ich lehnte (lässig) am Türpfosten des Badezimmers um nachzuschauen, was meine Partnerin im Badezimmer so trieb. Sie erzählte mir (über die Badewanne gebeugt) irgendwas von … und da war der und dann das und ich erzählte ihr parallel, wie ich in der Zwischenzeit gelitten hatte. Da drehte sich ihr Kopf, noch immer in gebeugter Haltung über der Badewanne in meine Richtung. Unerfahren wie ich damals noch war, dachte ich – Was? Weshalb sieht sie mich so an, was habe ich getan oder hätte tun sollen? Zur Erklärung: Sie wollte sich in der Badewanne die Hände waschen, weshalb nicht im Waschbecken weiß ich nicht. Das Problem war, dass der Hebel an der Amatur so eingestellt war, dass Wasser kam nicht unten zum Hahn, sondern (noch immer) oben aus dem Duschkopf. Ich sah das wohl und dachte, wieso wäscht sie sich die Haare und hat die Klamotten noch an? Statt die Hände, waren die Haare nass, der Blick den Sie mir zu warf:

Jetzt ziehen wir andere Methoden auf! Du hörst nicht zu! Du denkst immer nur an dich!

Das war ein erzieherischer Blick, den ich von Müttern kenne, ohne Worte aber dafür durchdringend, ihnen meine Damen muss ich nicht erklären wie so ein Blick zu Stande kommt.

Ja … dachte ich mir, sag es doch, sag das ich auch daran Schuld bin, das einer der Hunde ins Schlafzimmer auf meiner Bettseite auf meinen Socken gekackt hat. Ich meine, wer dreht schon den Hebel an der Amatur um, nachdem er entweder die Badewanne füllte oder sich duschte? Der Hebel verbleibt in der Stellung wie er war, vermutlich deshalb, da man am nächsten Tag das wiederholt, was man zu dem Zeitpunkt tat, als man den Hebel in die Stellung brachte (natürlich ohne zuvor in einen Haufen getreten zu sein). Offenbar denken hier Frauen und Männer in verschiedene Richtungen, vielleicht auch deshalb, weil Frauen die Amaturen mit dem Putzlappen abreiben und Männer mit dem Wasserstrahl aus der Dusche abspritzen. Naja, wer achtet schon auf Wasserflecken, schließlich wurde der Mann so erzogen, zu sehen wie es sauber aussieht, aber nicht wie man etwas sauber macht. Das heißt, wir Männer sollen das nun ausbaden, was andere Frauen, nämlich unsere Mütter versäumt haben …

Jedenfalls meine Herren, der Glanz in den Augen meiner Partnerin, als sie mir in gebeugter Haltung den Blick von der Badewanne aus zuwarf, die nassen Haare, einerseits erschreckend, andererseits dachte ich mir, man(n) sieht meine Liebste heute wieder toll aus!

Das sollte für Sie meine Herren der Anlass sein, bei allen Schmerzen ab zum nächsten Blumenladen humpeln und einen Strauss roten Rosen zu kaufen, um ihrer Frau oder Partnerin damit zu sagen:

Schau mal Schatz, trotz aller Schmerzen, habe ich dir Rosen gekauft, ich liebe DICH! Wenn das geschieht meine Damen, haben sie alles richtig gemacht. Wenn sie das tun meine Herren, haben sie auch alles richtig gemacht, aber nur weil ihre Ehefrau oder Partnerin sie so gemacht hat, dass sie Blumen aufgrund eines schlechten Gewissens kaufen. Ich habe meiner Liebsten die Blumen aus einem anderen Grund gekauft … ich dachte an die letzte Nacht!

Es grüßt Sie
MisterX – der Frauenflüsterer, der die Frauen versteht

 

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